• Zimmerfarne

Zimmerfarne

04.10.2018 Text Ruth Schläppi Fotos Blumenbüro Holland, Ruth Schläppi

Mitten im Wald, am schattigen Wegrand oder in der Nachbarschaft halbhoher Sträucher sind Farne zu Hause. Attraktive Sorten, die sich als Zimmerpflanzen eignen, bringen ein Stück Natur in unsere Wohnräume.

Farne gelten als die ältesten Pflanzen der Welt. Dank ihres Artenreichtums sind sie deshalb vielerorts vorhanden. Bis auf wenige lichtliebende Arten kommen Farne fast ausschliesslich an schattigen und feuchten Plätzen im Wald, an Bachufern, in Schluchten, Felsspalten und Mauerritzen vor. Auch als attraktive Zimmerpflanzen kennt und schätzt man Farne seit Langem: Durch ihre luftigen und teils fili­granen Wedel begeistern diese Pflanzenarten Jung und Alt.

Launige Federpflanze

Die eleganten Wedel der Farne wiegen sich sanft im Wind wie luftige Federn. Pteridophyta, die Familie der Farnpflanzen, bezeichnet genau jene Eigenschaft: «pteris» bedeutet Feder, «phyto» steht für Pflanze – eine gefiederte Pflanze also. Dabei können die Wedel, etwa beim Streifenfarn (Asplenium antiquum), vollständig geschlossen sein und dadurch einen dynamischen Wuchs aufweisen. Die Sorte ‘Osaka’ verfügt über einen gewellten Rü­schenrand, der sich launig vom ansonsten glatten Blatt abhebt. Die Wedel können auch fiederschnittig ausgeprägt sein wie beim üppigen und doch sehr filigranen Frauenhaarfarn (Adiantum raddianum). Seine Blattform lässt funkelnde Licht- und Schattenspiele zu.

Farbenreichtum

Im schlichten Ampeltopf gepflanzt, präsentiert sich Schwertfarn (Nephrolepis exaltata) als moderne Hängepflanze, bei welcher die hellgrünen Wedel rundherum weich wie ein Vorhang hinabfallen. Sattgrüne glänzende und nach aussen hin eher breit-ovale Blätter besitzt Nestfarn (Asplenium nidus). Auch von dieser Art ist eine Sorte mit gekraustem Blattrand im Handel erhältlich: ‘Crispy Wave’. Wedel von grauer, bläulich-violetter Blattfarbe entrollt Regenbogenfarn (Athyrium ni­po­nicum ‘Metallicum’), gepaart mit pink-violetter Blattaderung. Diese Farnart bevorzugt in den Sommermonaten einen halbschattigen Standort im Freien und kann deshalb gut als Kübelpflanze gehalten werden.

Apart und ausdrucksstark

Eine ebenfalls aparte Blattfarbe bietet Goldtüpfelfarn (Phlebodium aureum ‘Blue’). Seine stark eingeschnittenen, graublauen Blätter wirken etwas künstlich, was diesen Zimmerfarn zu einem gesuchten und exklusiven Wohnpartner macht. Ebenso markant wirkt Geweihfarn (Platyce­rium bifurcatum): Seine Blätter erinnern stark an die Hörner eines Elchs, doch auch er stammt wie die meisten Farne ursprünglich aus den Tropen Südamerikas, aus Afrika, Südostasien und Australien. Übrigens: Mit den Jahren bildet dieser Farn einen Ring abgestorbener Blätter rund um die Basis. Sie dürfen nicht entfernt werden, denn damit hält sich die Pflanze an ihrer Unterlage fest.

Staunässe kein Problem

Farne mögen eine hohe Luftfeuchtigkeit und bedanken sich, wenn sie ab und zu mit etwas kalkarmem Wasser besprüht werden. Deshalb sind Standorte wie das Badezimmer oder die Küche ideal, weil dort öfters Wasser fliesst, was zu einer erhöhten Luftfeuchtigkeit führt. Eine regelmässige Grundfeuchte sollte aber auch das Substrat haben. Staunässe ist für Zimmerfarne vorübergehend kein Problem, jedoch sollte das überschüssige Wasser von Zeit zu Zeit weggeschüttet werden. Es empfiehlt sich, Farn in ein fünfminütiges Wasserbad zu stellen, statt mit dem Kännchen zu giessen. Dadurch können sich Erde und Wurzelballen mit Nährstoffen vollsaugen. Danach den Topf gut abtropfen lassen und zurück in den Cachepot oder auf den Unterteller stellen. Wird ein Zimmerfarn regelmässig besprüht und gegossen, so ist er auch in der Lage, die generelle Luftfeuchtigkeit im beheizten Raum zu verbessern, und somit auch die Wohnqualität.

Sporen statt Samen

Die feinen, meist dunkelbraunen Punkte, die sich auf der Unterseite der Wedel bilden, sind Sporenbehälter. Farne bilden keine Blüten und Samen, sondern vermehren sich durch winzig kleine Sporen. Diese werden vom Wind weggetragen und sorgen an einem neuen und geeigneten Platz für die Erhaltung und Ausbreitung der Art. Manche Farne, zum Beispiel Brutfarne, bilden Brutknospen an ihren Wedeln, aus denen sich dann Tochterfarne entwickeln. Am Naturstandort, wo die Sporen teilweise sehr weit und hoch hingetragen werden, wachsen Farne oft als Epiphyten (Aufsitzerpflanzen) an Bäumen. Das in den Astgabeln lagernde, humose Material bietet den feinen Sporen genügend Untergrund zum Wachsen. In dieser luftigen Höhe sichern sich Aufsitzerpflanzen zudem genügend Licht und sind doch vor der prallen Sonne geschützt. Auch im Wohnraum gedeihen Farne bei indirekter Sonneneinstrahlung besser. Sie mögen zwar einen hellen Standort, aber nur die flach einfallende Wintersonne sowie Sonne in den Morgen- oder Abendstunden fördern das Wachstum. 

Aus dem Topf

Langjährige Zimmerfarne, welche auffallend viele Luftwurzeln bilden, schreien förmlich nach mehr Platz und Nahrung. Sie sollten deshalb in einen grösseren Topf umgepflanzt werden, der mit Vorteil eher flach und breit ist, damit sich die Rhizome ausbreiten können. Übrigens: Farne sind sehr empfindlich und reagieren auf kalkhaltiges Giesswasser. Reste von Schwarztee deshalb nicht wegschütten, sondern zum Farn geben: Das kalkarme Wasser, angereichert mit Gerbstoffen, tut ihm gut.