• «Wir konnten ein Drei-Generationen-Haus schaffen»

«Wir konnten ein Drei-Generationen-Haus schaffen»

29.03.2018    

Wohnzukunft planen – Zwei Häuser, zwei Familien und eine neue Lebensphase: Die Beispiele der Familien Matter und Turner-Schmid zeigen, dass sich die Wohnsituation im Laufe der Zeit auf ganz unterschiedliche Art anpassen lässt.

Mit steigendem Lebensalter kann es Eigentümern passieren, dass ihnen das Einfamilienhaus zu gross und zu anstrengend im Unterhalt wird. Ausserdem hat ein Haus meist einen hohen Energieverbrauch, und die Besitzer fragen sich vielleicht, ob es sich lohnt, so viel Geld für ein nur noch zum Teil bewohntes Haus auszugeben. Die Frage stellt sich vor allem dann, wenn die Kinder ausgezogen sind – oder wenn die Eigentümer keine Zeit und Energie mehr haben, um Haus und Garten zu pflegen. Die Hauseigentümer-Zeitung hat zwei Eigentümer interviewt, die sich genau diese Überlegungen gemacht haben. Beide veränderten ihre Wohnsituation – auf unterschiedliche Weise, wie die Antworten zeigen.

Interview mit Herrn Jürg Matter (65)

DER HAUSEIGENTÜMER: Herr Matter, was hat Sie dazu veranlasst, Ihr Haus umzubauen und das Grundstück nachträglich zu verdichten?

JÜRG MATTER: Um unser Grundstück wurden in den letzten Jahren viele Ein- und Mehrfamilienhäuser gebaut, so dass wir uns ein bisschen eingekesselt vorkamen und uns eine Änderung der Wohnsituation überlegten. Abklärungen haben dann ergeben, dass wir unser Bauvolumen bisher nicht ausnutzten und dass eine Möglichkeit zur Aufstockung unseres Doppeleinfamilienhauses bestand. Das zusätzliche Volumen ergab eine zweite 4 1/2-Zimmer-Terrassenwohnung. Gleichzeitig konnten wir durch den Umbau ein Drei-Generationen-Haus schaffen. Die Planung begann Ende 2013, ins neue Heim eingezogen sind wir im Dezember 2015. Unsere Tochter bewohnt nun mit Ehepartner und Kindern die unteren zwei Geschosse mit direktem Zugang zum Garten. Wir wohnen in den oberen beiden Stockwerken und haben eine Terrasse. Ein weiterer Grund für den Umbau war natürlich auch die Investition unseres Pensionskassenkapitals.

Welche Erfahrungen haben Sie während des Umbaus gemacht?

JÜRG MATTER: Unser Architekt hat den Bau mit Einzelverträgen abgewickelt. Daraus ergibt sich vielleicht ein etwas günstigerer Preis, dafür steigt aber der Aufwand für Koordination und Kontrolle. Ist ein Handwerker nicht rechtzeitig fertig, macht der nachfolgende Verzögerung geltend. Das Einhalten von Terminen war teilweise schwierig. Da ich selbst Bauingenieur bin und mich für den Bau interessiert habe, konnte ich einige grobe Fehler selbst entdecken und die Bauleitung informieren. 

Worauf sollten Bauherren achten, die ihr Grundstück ebenfalls nachträglich verdichten möchten?

JÜRG MATTER: Sie sollten unbedingt den Architekten sorgfältig auswählen und beim Umbau nicht nur auf das Design, sondern auch auf eine professionelle Bauleitung achten. Am besten schaut man Referenzbauwerke an und hört sich die Erfahrungen von anderen Kunden an. Ausserdem ist genügend Zeit für die Planung einzurechnen. Korrekturen sind in dieser Phase günstiger als später während der Ausführung. Und auch sehr wichtig: Man sollte ans altersgerechte Wohnen denken und allenfalls einen Lift, Rampen und ein barrierefreies Badezimmer einplanen.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis?

JÜRG MATTER: Wir sind sehr zufrieden. Vor allem schätzen wir die Nähe zu unseren Enkelkindern – und ihre Eltern schätzen diese auch. Ein weiterer positiver Punkt ist, dass wir mit der neuen Solaranlage den gesamten Gasverbrauch für zwei Wohnungen unter den Wert des Verbrauchs für das ursprüngliche Einfamilienhaus senken konnten. Auch die Einteilung und Ausrüstung der Wohnung würden wir wieder genau gleich machen.

 

Interview mit Frau Heidi Turner-Schmid (72)

DER HAUSEIGENTÜMER: Frau Turner, was hat Sie dazu veranlasst, Ihr Einfamilienhaus zu verkaufen und in eine Wohnung zu ziehen?

HEIDI TURNER-SCHMID: Als wir 1979 unser Haus kauften, wussten wir von Anfang an, dass es uns im Alter zu beschwerlich werden wird. Das Haus liegt an wunderschöner Hanglage und hat viele Treppen. Mein Mann war damals schon gehbehindert. Später kam hinzu, dass aufgrund einer Beinampution bei meiner Mutter meine Eltern im hohen Alter von 87 bzw. 90 Jahren innert Kürze ihr Haus räumen mussten, das heisst, wir mussten es für sie räumen. Dadurch wurde mir vieles bewusst: Wenn wir unsere Wohnsituation nicht änderten, könnte es uns später ähnlich ergehen wie meinen Eltern. Wir entschieden uns deshalb, unser Haus mit seinen vielen Treppen und dem Umschwung zu verkaufen und in eine Eigentumswohnung zu ziehen.

Wie zufrieden sind Sie mit der neuen Wohnsituation? Wie gefällt es Ihnen in der neuen Umgebung? 

HEIDI TURNER-SCHMID: Wir sind sehr zufrieden. Die Veränderung war besser, als wir sie uns vorgestellt hatten. Die Lage unserer neuen Wohnung mit Aussicht auf den Zürichsee ist fantastisch, und die Umgebung könnte fürs Wohnen im Alter nicht besser sein: Bus und Einkaufsmöglichkeiten sind sehr nah, alles ist in etwa drei Minuten zu Fuss erreichbar.

Gab es auch herausfordernde Erfahrungen und Erlebnisse?

HEIDI TURNER-SCHMID: Die grösste Herausforderung war die Verkleinerung der Wohnfläche, die gleichzeitig auch eine grosse Befreiung war. Sich zu trennen von vielen Dingen, die wir nicht mehr brauchten und auch niemand aus der Familie mitnehmen wollte – das war teilweise sehr emotional für uns.

Welche Tipps würden Sie anderen Menschen geben, die ebenfalls von einem Einfamilienhaus in eine Wohnung ziehen möchten?

HEIDI TURNER-SCHMID: Ziehen Sie dann um, wenn Sie noch viel Energie haben. Ein Umzug ist mit grossem Aufwand verbunden und nimmt Zeit in Anspruch. Ungefähr ein Jahr vor dem Umzug kann schon grosszügig geräumt werden. Nach dem zweiten, vielleicht noch emotionalen Räumdurchgang wird es dann immer einfacher und entlastender. Die Freude, im Alter nochmals etwas Neues zu beginnen, überwiegt und macht neugierig auf das, was kommt. Wenn man noch zu zweit ist, kann man sich aufgrund des Hausverkaufs auf eine Entlastung und auf mehr gemeinsame Zeit freuen. Zeit zu haben für Reisen und Unternehmungen, die man vielleicht altershalber bald nicht mehr machen kann, das ist Gold wert.


Wohnsituation der Interviewten

Familie Matter kaufte ihr zweigeschossiges 5 1/2-Zimmer-Haus mit Baujahr 1988 im Jahr 1995. Neben der ruhigen Lage überzeugte die Familie die Nähe zu Bahnhof und Schulen. Das Haus hatte eine Gasanlage für Bodenheizung und Warmwasser. 2014, sieben Jahre nach dem Auszug ihrer Kinder, ergab sich für Matters die Möglichkeit, ihr Haus aufzustocken und um eine 4 1/2- Zimmer-Wohnung zu erweitern. Beim Umbau liessen sie eine Solarthermie- Anlage einbauen, die Gasheizung dient jetzt als Ergänzung im Bedarfsfall. Durch das neue Heizsystem konnte der durchschnittliche Gasverbrauch pro Wohnung halbiert werden. Heute wohnt Matters Tochter mit ihrem Ehepartner und den 1- und 3-jährigen Mädchen in der unteren Gartenwohnung. Das Ehepaar Matter lebt in der oberen Terrassenwohnung. Die Schaffung dieses Drei-Generationen-Hauses bringt neben Energieeinsparungen vor allem einen grossen Mehrwert an Lebensqualität für alle.

Bis zu ihrem Umzug in eine Eigentumswohnung bewohnte Familie Turner- Schmid ein 6,5-Zimmer-Einfamilienhaus mit Wintergarten und knapp 700 Quadratmetern Land. Seit fünf Jahren wohnt das Paar nun in einer neuen 3,5-Zimmer-Eigentumswohnung mit zwei Balkons. Zusätzlich haben sie im Erdgeschoss ein Büro mit Dusche / WC (ca. 32 Quadratmeter) gekauft. Die Eigentumswohnung befindet sich in der Nachbarsgemeinde, die ca. 8 Autominuten von ihrem ursprünglichen Wohnort entfernt ist. In der Zwischenzeit haben die beiden Gemeinden fusioniert.

Veranstaltungen zum Thema: Neue Lebensphase – neue Wohnsituation

Ist Ihr Einfamilienhaus zu gross für Sie geworden? Denken Sie über eine Anpassung Ihrer Wohnsituation nach? Der HEV Schweiz führt in Zusammenarbeit mit der Firma Rütter Soceco AG, sozioökonomische Forschung + Beratung, Rüschlikon, zwei Veranstaltungen zum Thema durch:


1. TEIL DER SERIE:
BILD RALPH FEINER

1. TEIL DER SERIE:

NEUE LEBENSPHASE – NEUE WOHNSITUATION