• Absturzsicherungen auf dem Dach nachrüsten

Absturzsicherungen auf dem Dach nachrüsten

13.04.2018     THOMAS AMMANN dipl. Arch. FH, Ressortleiter Energie- und Bautechnik beim HEV Schweiz

Hausdach – Ein Sturz vom Dach dauert nur kurz – die Heilung der Folgen meist viel länger. Damit es nicht so weit kommt, wurden die Vorschriften und die Ausbildung zur Absturzsicherung erweitert. Und Sie, liebe Leser, haben beim Online-Voting Anfang April entschieden, dass Sie mehr über diese Vorschriften erfahren möchten.

Ein Sturz dauert nur sehr kurz. Selbst bei einer Fallhöhe von drei Metern dauert es weniger als eine Sekunde bis zur unfreiwilligen Landung. Zumal der Mensch während des Falls nicht in der Lage ist, diesen zu beeinflussen, sind die Auswirkungen des Sturzes oftmals gravierend. Von den jährlich rund 9000 Absturzunfällen erleiden 280 Personen bleibende Schäden. Insbesondere sind Rücken- und Kopfverletzungen häufig. 22 Sturzunfälle enden sogar tödlich. Angesichts dieser Tatsache hat die Prävention von Absturzunfällen oberste Priorität. Deshalb hat der Bundesrat die Verordnung über die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (BauAV) im Jahr 2011 angepasst und die Vorschriften für Arbeiten in Höhen über drei Meter ab Boden verschärft. Handwerker müssen sich heute bezüglich Selbstsicherung aus- und weiterbilden. Die Suva hat gestützt auf die überarbeitete BauAV diverse Merkblätter herausgegeben.

Zum Tragen kommen die verschärften Vorschriften auch bei Kontroll- und Unterhaltsarbeiten auf dem Dach. Die Art und Weise von Sicherungssystemen bemisst sich am Umfang und der Regelmässigkeit der auszuführenden Arbeiten. Bevor ein Eigentümer auf seinem Dach ein Absturzsicherungssystem installieren lässt, arbeitet er zusammen mit dem Dachdecker ein Unterhaltskonzept aus. Anhand von diesem wird eine der drei Ausstattungsklassen gewählt, und anschliessend lässt man die entsprechende Installation am Dach vornehmen.

Ausstattungsklassen

Die Ausstattungsklassen 1 und 2 sind für Unterhalts- und Wartungsarbeiten gedacht, die jährlich oder mehrmals jährlich durchgeführt werden und innerhalb zweier Personen- Arbeitstage erledigt werden können. Fachleute, die die Ausbildung zur persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) absolviert haben, müssen sich im Fall von Klasse 1 mittels Auffanggurt und Seilverbindung an einzelnen Anschlagpunkten sichern können.

Bei Ausstattungsklasse 2 werden die einzelnen Anschlagpunkte mittels Seil verbunden. In der Regel wird dieses Seilsicherungssystem entlang des Dachfirstes montiert. Dadurch hat der Handwerker einen grösseren Bewegungsradius, kann sich somit freier bewegen und auch effizienter arbeiten. Die Seilsicherungssysteme können entweder fix installiert sein oder, z. B. mit Polyamidseilen, temporär an den fix installierten Anschlagpunkten montiert werden.

Anschlagpunkte haben hinsichtlich der Materialisierung und der Festigkeit den geltenden Normen zu entsprechen. Die Punkte sind jeweils bei Unterhaltsarbeiten zu kontrollieren. Seilsicherungssysteme müssen jährlich durch eine sachkundige Person geprüft werden. Installation und Kontrollen müssen protokolliert werden. In diesen Protokollen ist ebenfalls zu vermerken, wie das installierte System verwendet werden muss.

Für Arbeiten, die in die Ausrüstungsklasse 3 fallen, müssen temporäre oder fix installierte Absturzsicherungen vorhanden sein, die ein Arbeiten ohne persönliche Schutzausrüstung ermöglichen. So zum Beispiel, wenn auf Flachdächern regelmässig Lüftungsanlagen gewartet werden müssen. 

Dabei ist es ausreichend, wenn der betroffene Bereich gemäss Klasse 3 ausgerüstet ist. Das restliche Flachdach kann dabei unter die Ausrüstungsklasse 1 oder 2 fallen.

Für Dachflächen wie Terrassen oder Parkdecks gelten die baurechtlichen Vorgaben zur Absturzsicherheit gemäss kantonalem Recht respektive die Norm SIA 358 «Geländer und Brüstungen». Im Zusammenhang mit Absturzsicherungskonzepten für solche Dachflächen wird auch von der Ausstattungsklasse 4 gesprochen.

Installieren von Sicherheitssystemen

Handwerker sind verpflichtet, sich gegen Absturz zu sichern. Für einmalige Arbeiten oder das Anbringen eines Sicherheitssystems kann sich der Handwerker mittels temporärer Einrichtungen sichern. Für einen regelmässigen Unterhalt genügt dies aber nicht. Die Erstinstallation der Anschlagpunkte kostet zwar etwas Geld, jedoch wird sich dadurch der Sicherungsaufwand für die Folgearbeiten verringern, und die Sicherheit des Arbeiters wird erhöht.

Obwohl Eigentümer die Sicherungssysteme nicht eigenhändig installieren, ist es möglich, dass im Schadensfall die Werkeigentümerhaftung zum Zug kommt. Im Vertrag empfiehlt sich daher insbesondere, die Handwerker zu Sorgfalt und der Verwendung obligatorischer und allfälliger weiterer Sicherungsmassnahmen zu verpflichten und die Haftungsthematik aufmerksam zu prüfen.

QUELLE MERKBLATT «ABSTURZSICHERUNGEN AUF GENEIGTEN DÄCHERN», GEBÄUDEHÜLLE SCHWEIZ

WEITERE INFOS

Nützliche Merkblätter zum Thema Absturzsicherung auf Flachdächern und geneigten Dächern können auf der Website von Gebäudehülle Schweiz heruntergeladen werden. In der Navigationsstruktur «Merkblätter » auswählen.


So gehen Sie vor

  • Kontaktieren Sie als Eigentümer einen Planer oder Unternehmer und definieren Sie zusammen mit ihm die Nutzung Ihres Hausdaches.
  • Im Anschluss daran kann der Unternehmer ein Unterhaltskonzept ausarbeiten. Dieses gibt den Rahmen für das Absturzsicherungskonzept vor, das ebenfalls vom Unternehmer erstellt wird.
  • Holen Sie Offerten für die Absturzsicherungsarbeiten ein, und lassen Sie die Arbeiten von Profis umsetzen.
  • Lassen Sie sich nach abgeschlossener Arbeit an Ihrem Dach eine Dokumentation über Umfang und Benutzung des Absturzsicherungssystems aushändigen.